#Umwelt #Weltmeere #Haare - Wie abgeschnittene Haare das Meer säubern



Haare haben die besondere Eigenschaft, viel Fett aufsaugen zu können. Warum also die Haare, die in Friseurgeschäften anfallen, nicht nutzen, um Öl aus dem Meer zu filtern?



Haare sind ein toller Rohstoff, das ist dem französischen Friseur Thierry Gras schon lange klar. Umso mehr ärgert ihn, dass er sie jahrzehntelang wegwirft.




Friseure stoppen Meeresverschmutzung


Nur wenige, besonders lange Haaren sind für Perücken nutzbar. Der Großteil der abgeschnittenen Haare wandert in die Mülltonne. Thierry Gras recherchiert und stellt fest: Seit Jahrhunderten ist bekannt, wie gut Haare Fett aufnehmen können. Doch dieses Wissen wird nicht genutzt.


Also wird er selbst aktiv und gründet 2015 den Verein "Coiffeurs Justes" - die fairen Friseure. Damit seine Idee wahr werden kann, beantragt er europäische Fördergelder. "Das war der bisher schwierigste Teil für mich", sagt Thierry Gras. "Denn ich musste drei Jahre auf das Geld warten."

Eine lange Zeit, die er aber gut nutzt, um an der Umsetzung seiner Methode zu feilen. Als 2018 das Geld aus den europäischen Fördertöpfen kommt, hat der Friseur ein komplexes Haar-Verwertungs-Konzept entwickelt.



Ein Papiermüllsack für geschnittene Haare


Zunächst lässt Thierry Gras nachhaltige Papiersäcke herstellen, damit die Friseursalons die abgeschnittenen Haare sofort vom übrigen Müll trennen können.

Er verschickt seine Haarmüllsäcke an alle Salons, die er für seine Idee begeistern kann. Inzwischen sind es 3.200 - hauptsächlich aus Frankreich, ein paar aus der Schweiz, Belgien und Deutschland. Und es werden wöchentlich mehr.


Faire Friseure: umweltfreundlich und sozial


20 Kilogramm Haare passen in einen Beutel. So viele fallen etwa in einer Woche pro Geschäft an. Die Beutel schicken die Friseursalons im Moment noch an eine zentrale Sammelstelle nach Brignoles in der Provence.


Dort werden sie in eine andere ungenutzte Ressource gefüllt: orthopädische Strümpfe, die eine Fabrik in der Nähe übrig hat. Thierry Gras möchte sein Projekt sowohl umweltfreundlich als auch sozial gestalten. Deshalb arbeitet er mit einem Verein zusammen, der Langzeitarbeitslose wieder in den Arbeitsmarkt integrieren möchte.


Schiffe als Quelle der Verschmutzung


Seit Januar 2020 werden die Haarfilter im Hafenort Cavalaire-sur-Mer an der Côte d’Azur getestet. Sie sind im Bereich der Sportboot-Tankstelle angebracht. Denn Boote verlieren immer wieder Öl- und Benzinreste, die schließlich im Wasser landen.


Sollte sich ein Unfall ereignen und mit einem Mal viel Öl auslaufen, dann liegen mehrere Haarfilterketten bereit, die dann sofort einen Ölteppich beseitigen können.


Tausende Tonnen Sonnenmilch landen jährlich im Meer